Peter Nygaard

Medium

In meinen Tafeln wird das Bild zu einer bloßen Erscheinung, in der sich sein Wesensausdruck entfalten kann, ohne von der Konvention und der Neutralität des Rechtecks verschleiert zu werden. Die freien Gebilde erlauben es mir, über die Entwicklung einer eigenen Sprache hinaus in eine Grammatik des Bildes vorzudringen, die über das Erbe der Malerei des letzten Jahrhunderts hinausgeht. Dies gilt besonders für die formende Kraft der Farbe.

Die Bezugsdimension meiner Bilder ist die Fläche schlechthin. In dieser medialen Situation werden die Sehgewohnheiten zu einem kritischen Thema. Ich verstehe meine Kunst als eine Bildnerei des Sehens. Eigenschaften des Bildes, die im tradierten Rechteck konstant sind, werden in den Tafeln zu Variablen für den Ausdruck. Zu ihnen gehören die Präsenz des Bildes, seine Ausbreitung und seine Bewegtheit. Die Tafeln enthalten Angebote für Körper- und Raumwahrnehmungen. Sie legen eine Verbindung dieser Wahrnehmungen nahe, indem sie eine hergebrachte Fokussierung relativieren.

Die mediale Situation fordert eine Bewertung des „ganzen“ Bildes heraus. Die Tafeln können die Verbundenheit von Farbe und Form, von Stimmung und Gestalt in der Wahrnehmung einem Urteil aussetzen. Außerhalb der Konvention würde dieses Urteil zu einem Urteil über die Vertiefbarkeit des Sehens werden. Diese erschließt sich aus dem „frühen“ Sehen, aus der gemeinsamen Entwicklung des Sehsinns mit den anderen Sinnen und dem ganzen Körper. Die Tafeln können die Vertiefbarkeit des Sehens zur Sprache stellen, indem sie einen bewussten Zugang zur vorbewussten sinnlichen Autonomie des Sehens anbieten. Aus der Annahme dieses Angebots heraus kann ein anderes Sehen bewusst erlebt werden.